Methode

Bushaltestelle

 

Dauer: 60 Minuten

Autor_in/ Organisation: IGIV – Implementation Guidelines for Intersectional Peer Violence Prevention

Zielgruppe: Jugendliche ab 18 Jahren, Erwachsene

Material: Fotos von einer Bushaltestelle, vorzugsweise ein Bild von einem Mann, der alleine auf den Bus wartet, sowie ein Bild von einer Frau, die alleine auf den Bus wartet. Zusätzlich entweder Ausschnitte mit einzelnen Worten, die unterschiedliche gesellschaftliche Zuschreibungen hinzufügen, (z.B. so wie Arbeiter_innenklasse, weiß, weiblich etc.) oder Bildausschnitte von Menschen, die diese Zuschreibungen gesellschaftlich zugewiesen bekommen.

 

Lernziele/Verwendungsmöglichkeiten:

Wissen - Sensibilisierung für Mehrfachdiskriminierung/-privilegierung - Vermittlung von Intersektionalität als einem Werkzeug, Mehrfachdiskriminierungen zu erkennen.

Fähigkeiten - Anwendung einer intersektionalen Perspektive in alltäglichen Situationen. - Schärfen von Wahrnehmungs- und Reflektionsvermögen auf der intersektionalen Ebene, während die eigene Gefühle/die Gefühle Anderer und eigene Reaktionen/die Reaktionen Anderer in bestimmten Situationen interpretiert werden.

Vorschlag zum Weiterarbeiten - Die „Bushaltestelle“ ist eine gute Methode zum Einstieg, um danach eine Einführung zum Thema Intersektionalität zu geben. Wenn das Ziel eine Vertiefung des Verständnisses für das Konzept der Intersektionalität ist, bietet es sich an, die Methode gut mit einer kurzen Präsentation über Intersektionalität ergänzen, z.B. durch den Film „Zwei blaue Krokodile und die Lücke im System“, der im Internet unter www.intersect-violence.eu zu finden ist.

 

Durchführungsschritte/ Instruktionen:

  1. Bilden Sie mit der Gruppe einen Kreis. Beginnen Sie damit, mit den Teilnehmenden über ihre alltäglichen Diskriminierungserfahrungen zu sprechen. Ein Vorschlag zum „Warm-Up“ ist, die Teilnehmenden nach Situationen zu fragen, in denen sie gesehen haben, wie Diskriminierungen stattfanden. Lassen Sie einige der Teilnehmenden von ihren Erfahrungen berichten.
  2. Nach diesem Gespräch bitten Sie alle, sich vorzustellen, sie seien mitten in der Nacht alleine an einer dunklen, leeren Bushaltestelle. Zeigen Sie ihnen ein Bild dieses Szenarios und bitten Sie, diejenigen, die gerne möchten, der Gruppe zu erzählen, wie sie sich selbst in dieser Situation fühlen. Zeigen Sie das Bild einer wartenden Frau neben dem Bild eines wartenden Mannes und fragen Sie die Teilnehmenden, ob sie glauben, dass beide in dieser Situation das Gleiche empfinden. Lassen Sie einige der Teilnehmenden ihre Gedanken mitteilen.
  3. Suchen Sie dann eines der ausgeschnittenen Wörter aus (z.B. „Mann“) und erzählen Sie, dass während die Teilnehmenden auf den Bus warten, eine Person (in diesem Fall ein Mann) zu der Situation hinzukommt. Halten Sie den Ausschnitt („Mann“) zuerst neben das Bild der Frau, die auf den Bus wartet, dann neben den Mann, der auf den Bus wartet und fragen Sie, ob die Teilnehmenden denken, dass die Beiden in diesem Moment unterschiedliche Gefühle haben.
  4. Suchen Sie ein weiteres ausgeschnittenes Wort aus (z.B. „schwarz“) und hängen Sie es neben das bereits ausgesuchte Wort. Fragen Sie die Teilnehmenden, ob sie glauben, dass die Gefühle oder Reaktionen der alleine wartenden Person sich verändern, wenn der hinzukommende Mann z.B. schwarz ist. Dabei ist es wichtig, im Hinterkopf zu behalten, dass sich die Teilnehmenden vielleicht unwohl damit fühlen könnten, zuzugeben, dass sich ihre Meinung oder Reaktion in dieser Situation ändern würde, weshalb Sie vorsichtig damit sein sollten, Teilnehmende direkt anzusprechen. Versuchen Sie stattdessen über die fiktiven Personen an der Bushaltestelle zu sprechen oder über „Menschen“ im allgemeinen, z.B.: „Denken Sie/Denkt ihr, dass Personen anders reagieren, wenn der Mann schwarz ist?, anstatt zu fragen „Würden Sie/würdet ihr anders reagieren, wenn der Mann schwarz wäre?“ Wenn die Teilnehmenden ihre Gedanken auf einer persönlicheren Ebene teilen möchten, können sie diese sehr gerne äußern, aber dieser Austausch sollte nicht von dem_der pädagogischen Fachkraft angestoßen werden.
  5. Suchen Sie nun ein anderes Wort aus (z.B. „mit Behinderungserfahrungen“) und fragen Sie nochmals, ob die Teilnehmenden denken, dass die zwei Personen nachts alleine an der Bushaltestelle anders auf eine hinzukommende Person reagieren würden, wenn sie ein schwarzer Mann wäre mit einer bestimmten Behinderungserfahrung. Sie können hier weiterfragen, indem Sie verschiedene Behinderungserfahrungen thematisieren. (Wie) Unterscheidet sich die Einschätzung, wenn die Person z.B. Rollstuhlfahrer_in ist oder Taub?
  6. Sie können nun beliebig Wörter hinzufügen oder wegnehmen und dadurch unterschiedliche Konstellationen gesellschaftlicher Zuschreibungen aufrufen und die Teilnehmenden immer wieder danach fragen, wie sie glauben, dass die Personen an der Bushaltestelle auf die unterschiedlichen Personen reagieren würden, die neben ihnen warten. Als pädagogische Fachkraft ist es wichtig, nicht nur danach zu fragen, was die Teilnehmenden über die Gefühle und Gedanken der unterschiedlichen wartenden Personen denken, sondern auch danach zu fragen, warum die wartenden Personen so denken. Die Frage ist vermutlich schwer zu beantworten, vor allem weil unsere Reaktionen auf Normen und einer „normalen Antwort“ basieren. Wenn wir über Themen sprechen, die die Norm betreffen, ist eine häufige Reaktion auf diese Frage: „Das ist eben so.“ Es ist wichtig, den Teilnehmenden zu zeigen, dass die Reaktionen auf Normen basieren. Eine gute Möglichkeit, dies aufzuzeigen ist, nicht nur danach zu fragen, wie sich die Reaktionen verändern, je nachdem welche Person zu der Situation hinzukommt, sondern auch danach zu fragen, wie sie sich ändern, je nachdem, wer die Person ist, die zuerst an der Bushaltestelle steht. Reagiert eine Frau, die alleine an der Bushaltestelle steht auf die gleiche Weise auf einen hinzukommenden Mann, wie ein wartender Mann? Verändert sich die Reaktion, wenn die Szene mitten am Tag stattfindet und nicht in der Nacht? Was, wenn die Szene in einem anderen Land stattfindet? Wenn sich das Alter der Personen in der Szene verändert?

 

Wichtige Rahmenbedingungen: Die Methode kann mit einer Gruppe bis zu 10 Personen durchgeführt werden. Das Niveau der ausgetauschten Erfahrungen und Gedanken ändert sich vermutlich, je nachdem, wie gut sich die Teilnehmenden kennen, aber die Methode ist nicht abhängig davon, dass sich die Teilnehmenden gut kennen.

Bezug Intersektionalität: Es geht darum, Effekte von Verschränkungen unterschiedlicher Kategorien ausloten.

Schlagworte: Mehrfachzugehörigkeit, Intersektionalität, Diskriminierung, Gender

Link/PDF-Download: http://www.intersect-violence.eu/index.php?option=com_fjrelated&view=fjrelated&layout=blog&id=0&Itemid=55&lang=de

Einstellungsdatum: 27.03.2012

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