Forschungsprojekt

Diskurse über 'Sexarbeit', 'Zwangsprostitution' und 'Menschenhandel'. Ein intersektionaler Vergleich von Deutschland und Südafrika am Beispiel der Fußball-Weltmeisterschaften der Männer 2006 und 2010

 

Projektdurchführende: Carolin Küppers - Carolin.Kueppers[at]soziologie.uni-muenchen.de

Projektzeitraum: Januar 2010 - voraussichtlich März 2013

 

Kurzdarstellung:

Häufig wird behauptet, dass sportliche Großereignisse eine vorübergehende Zunahme der Nachfrage nach sexuellen Dienstleistungen zur Folge haben. So wurden interessanterweise sowohl zur WM 2006 in Deutschland als auch 2010 in Südafrika 40.000 zusätzliche Sexarbeiter_innen angekündigt, was jedoch nicht verifiziert werden konnte. (Vgl. Deutscher Frauenrat 2006: 63; Richter et al. 2010) Dennoch blieben sowohl die Zahl der 40.000 als auch das Thema Sexarbeit insgesamt über einen beträchtlichen Zeitraum in den Medien präsent.

Mein Forschungsvorhaben setzt hier an und untersucht mediale Diskurse über Sexarbeit, ‚Zwangsprostitution’ und Menschenhandel in der BRD und in Südafrika aus einer intersektionalen Perspektive. Mich interessiert, wie in diesen Diskursen soziale Ungleichheit verhandelt wird und welche Zuschreibungen an Sexarbeiter_innen darin manifest werden. Für dieses Vorhaben ziehe ich die Fußball-Weltmeisterschaften der Männer 2006 und 2010 heran, um mein Datenmaterial sinnvoll zu fokussieren. Zudem bietet Fußball mit seinen Assoziationen zu Männlichkeit, Heteronormativität und Nation einen interessanten Kontext, in dem die Debatten über Sexarbeit und ‚Zwangsprostitution’ Teil eines Diskursgeflechtes sind, welches hegemoniale Konzepte von Geschlecht, Sexualität und Ethnizität (re)produziert (vgl. Ihme 2006). Das Massenereignis WM verstehe ich dabei als Katalysator, durch welches Diskurse über (Zwangs-)Prostitution und Menschenhandel verstärkt medial inszeniert und dadurch sichtbar werden.

Deutscher Frauenrat (2006): Abpfiff: Schluss mit Zwangsprostitution. Dokumentation zur Kampagne anlässlich der Fußball-WM 2006, Berlin.

Ihme, Loretta (2006): „Zu Gast bei Freundinnen“. (Re)Konstruktion von Nation, Geschlecht und Sexualität in Narrativen über die Fußball-WM und die Prostitution, in: Grenz, Sabine/Martin Lücke (Hrsg.): Verhandlungen im Zwielicht. Momente der Prostitution in Geschichte und Gegenwart. Bielefeld, S. 247-265.

Richter, Marlise et al. (2010): “Female Sex Work and the 2010 Soccer World Cup - No spike in supply and demand of paid sex through newspaper and online advertising” auf: www.sacema.com/node/female-sex-work-and-the-2010-soccer-world-cup, zuletzt eingesehen am 20.02.2011

 

Projektart/Projektförderung: Dissertationsprojekt, seit 10/2011: Promotionsstipendium bei der Heinrich Böll Stiftung, (03/2010-10/2010: Forschungsstipendium beim DAAD)

Inter-/Disziplinäre Zuordnung: Soziologie, Gender Studies

Stichworte: Sexarbeit, 'Zwangsprostitution', Menschenhandel, Fußball, 'race'/ rassisierte Zuschreibungen, Ethnizität, Geschlechterverhältnisse, soziale Ungleichheit, Sexualitäten, Heteronormativität, Mobilität, Nationalstaatlichkeit

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