Forschungsprojekt

Geschlechterdifferenzierung im kindermedizinischen Feld. Eine Ethnographie zur Bearbeitung von Geschlecht und Tabu am Kinderkörper

 

Projektdurchführende: Julia Jancsó M.A., Soz. PhD. Cand., Goethe Graduate Academy (GRADE), Johann Wolfgang Goethe Universität Frankfurt, Email: Jancso[at]em.uni-frankfurt.de www.uni-frankfurt.de/fb/fb04/personen/jancso.html

Projektzeitraum: 2008 – 2012 (voraussichtlicher Abschluss)

Kurzdarstellung: Im Dissertationsprojekt wird die Frage nach der Relevanz der Geschlechterunterscheidung im kindermedizinischen Feld rekonstruiert, ob und wie Vorsorgeuntersuchungen in ihrer diagnostischen Funktion eine geschlechterdifferenzierende Normierung kindlicher Entwicklung forcieren, welche kulturellen Normen dabei aktiviert werden und wie diesen in professionellen Strategien begegnet wird. Neben explizit heteronormativen Inszenierungen des Kinderkörpers analysiert Julia Jancsó vor allem Situationen, in denen die Geschlechterklassifikation zu den impliziten Ausgangsbedingungen des entwicklungsdiagnostischen Untersuchungsprogramms zählt. Dabei kommt sie zu dem Ergebnis, dass die Hervorbringung des Geschlechtskörpers im Kontext der Vorsorgeuntersuchungen mit der situativen Bearbeitung kultureller Tabus am Kinderkörper einhergeht und beschreibt v.a. die Tabubearbeitung als Teil einer feldspezifischen Differenzierungspraxis. Dem methodischen Problem der Reifizierung begegnet Julia Jancsó durch eine konsequente Umsetzung der intersektionellen Analyse der Kategorien Geschlecht und Alter. In ihrer Rekonstruktion der Praktiken der Generationen- und Geschlechterdifferenzierung verweist sie auf feldspezifische Variationen des doing difference. Mit dieser Perspektive eröffnet Jancsó eine neue analytische Sicht auf die Frage, welche Rolle die Geschlechterdifferenzierung im kindermedizinischen Feld abseits einer Biologisierung bzw. Psychologisierung von Auffälligkeiten spielt.

 

Projektart und Projektförderung: Dissertationsprojekt.

Das Dissertationsprojekt wurde zu Beginn (04/2007 – 09/2008) im Rahmen des Projektes „Geschlechterdifferenzierung in kindermedizinischen Vorsorgeuntersuchungen. Ethnographische Beobachtung eines Transformationsprozesses“ unter der Leitung von Prof.´in Helga Kelle vom Hessischen Ministerium für Wissenschaft und Kunst gefördert. 

www.uni-frankfurt.de/fb/fb04/download/Ganz_normale_Kinder_HMWK.pdf

Im Zeitraum vom 10/2008 - 03/2011 wurde das Dissertationsprojekt im Rahmen des DFG–Projektes „Kinderkörper in der Praxis. Eine Ethnographie der Prozessierung von Entwicklungsnormen in kinderärztlichen Vorsorgeuntersuchungen (U3 bis U9) und Schuleingangsuntersuchungen“ unter der Leitung von Prof.´in Helga Kelle gefördert.

www.uni-frankfurt.de/fb/fb04/forschung/kinderkoerper.html

 

Inter-/Disziplinäre Zuordnungen: Erziehungswissenschaften; gender studies; Empirische Geschlechterforschung, Sozialwissenschaftliche Kindheitsforschung, Körpersoziologie; Ethnographie, Praxisanalyse, Kulturanalyse

Stichworte: doing difference, doing / undoing gender, doing generation, doing child; doing age, Geschlecht; Geschlechterdifferenzierung; Generationenordnung; Generationenunterschied; Alter; Körper, Geschlechtskörper; Geschlechterwissen; Praktiken; Akteurperspektive (Kinder, Eltern, Professionelle); teilnehmende Beobachtung; Medizin; Pädiatrie; Generativität; Scham; Tabu

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