Forschungsprojekt

Der Umgang mit sozialer Differenz durch Stiftungen als Akteure der Zivilgesellschaft

 

Projektdurchführende: Nilgün Dağlar-Sezer

Kurzdarstellung: Einen erheblichen Anteil an der Wahrnehmung und Verbreitung von sozialer Vielfalt im Zusammenhang mit Teilhabe an Wohlstand und Chancen zur Selbstverwirklichung haben organisationale Akteure, da sie Interessen von Individuen bündeln und nach außen geschlossen auftreten. Eine besondere Organisationsform bilden Stiftungen als Akteure der Zivilgesellschaft. Hauptmerkmale, die die sozialwissenschaftliche Literatur an „Vielfalt“, also an „sozialer Differenz“ behandelt, sind Geschlecht, Ethnizität und Klasse. Diese drei Dimensionen an Differenzmerkmalen bilden zugleich in komplexen Wechselwirkungen untereinander die Hauptkomponenten bei den bisher wissenschaftlich identifizierten sozialen Ungleichheiten, also der ungleichen Verteilung der oben erwähnten Ressourcen (vgl. Klinger/ Knapp 2008, Knapp/ Wetterer 2003, Bednarz-Braun u.a. 2004, Meuser 2010, Berger/ Schmidt 2004, Rademacher/ Wiechens 2001, Weiß u.a. 2001, West/ Fenstermaker 1995). Im Rahmen der Dissertation wird untersucht, inwiefern Stiftungen diese drei Differenzmerkmale in ihren Programmen und Projekten behandeln, wie sie damit in der Öffentlichkeit auftreten und wie sie ihren Umgang mit sozialer Differenz begründen. Wie weiter unten deutlich wird, sind Stiftungen ganz besondere Organisationen, die als zivilgesellschaftliche Akteure faktisch unabhängig von der öffentlichen Meinung oder von rein wirtschaftlichen Interessen handeln. Sie bilden eine „Insel“ bei der operativen Projektarbeit, die die Beeinflussung sozialer Verhältnisse und die Positionierung als gesellschaftspolitischer Akteur zum Ziel hat. Wie wird in der operativen Arbeit von Stiftungen soziale Differenz gebildet? Wie verhalten sich dabei die Differenzkategorien Geschlecht, Ethnizität und Klasse zueinander? Zur Beantwortung dieser Frage soll in Anlehnung an Degele/ Winker (2009) und an Meuser/ Nagel (1991) eine intersektionale Mehrebenenanalyse von Experteninterviews durchgeführt werden. Diese Expert/innen initiieren oder leiten Projekte und Programme von operativ tätigen Stiftungen. Daneben werden bereits erhobene Stiftungsdaten z.B. des Bundesverbands Deutscher Stiftungen (BDS) untersucht. Erkenntnisse zur Rolle von Stiftungen im Umgang mit sozialer Differenz sind relevant, da sie wegen ihrer Ergänzungsfunktion zu öffentlichen Leistungen als unabhängige, finanziell starke Organisationen des Dritten-Sektors Einfluss auf die öffentliche Meinung nehmen und Alternativen zur politischen Praxis bieten können.

Projektart: Dissertationsprojekt

Inter-/Disziplinäre Zuordnung: Sozialwissenschaft

Stichworte: Zivilgesellschaft; Stiftungen; Geschlecht, Ethnizität, Klasse; Differenzkategorien; Intersektionalität

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